Amphibienschutz im Westallgäu | 06-2025

Tolles Amphibienschutzprojekt vor unserer Haustür

Sicherheit für Amphibien mit UHPC-Beton

Der Straßenverkehr stellt eine erhebliche Gefahr für wandernde Amphibien dar, insbesondere während der Frühjahrs- und Herbstwanderungen zu Laichgewässern oder Winterquartieren. Um diesen Gefährdungen wirksam zu begegnen und die Durchgängigkeit wichtiger Wanderrouten zu sichern, setzen Planer und Umweltschützer in den betroffenen Bereichen auf fest installierte Amphibienleitsysteme. Diese leiten Amphibien und sonstige bodengebundene Kleintiere sicher an ihr Ziel. Entlang der Kreisstraße 8011 südlich von Ratzenried im Westallgäu sorgt nun auf einer Länge von knapp 800 Metern ein ganz spezielles Amphibienleitsystem aus Stahlbeton für die Sicherheit der Tiere. Die von uns gelieferten Betonelemente berücksichtigen dabei die Bedürfnisse der Kleintiere auf besondere Weise.

Die Kreisstraße 8011 verläuft im Landkreis Ravensburg von Ratzenried bei Argenbühl in südliche Richtung. Ca. 300 Meter nach dem Ortsausgang führt sie am Unteren Schieß- und am Oberen Schloßweiher vorbei, die jeweils rechts und links der Fahrbahn liegen. Aktuell überqueren in diesem Bereich jährlich mehr als 15.000 wandernde Individuen aus fünf Amphibienarten (Erdkröte, Grasfrosch, Teichmolch, Bergmolch und Kammmolche) die Straße. Aus diesem Grund entschieden sich die verantwortlichen Planer dafür, mit Hilfe eines geeigneten Amphibienleitsystems, den Erhaltungszustand der lokalen, überdurchschnittlich großen Amphibienpopulation langfristig zu sichern. So begannen im Herbst 2024 die Bauarbeiten für zwei Amphibienleitsysteme an der Kreisstraße. Die Entscheidung fiel auf das molch- und laubfroschtaugliche Amphibien-Leitsteinsystem RIKI „Amphi-Pro“. Die Anlage am Schloßweiher besteht aus drei Durchlässen mit einseitigen durchgehenden Betonleitelementen und (Abschnitt A) deckt einen Straßenabschnitt von ca. 265 Metern Länge ab. Das Leitsystem für Amphibien am Schießweiher (Abschnitt B) deck mit 13 Durchlässen und beidseitigen durchgehenden Betonleitelementen einen Straßenabschnitt von ca. 460 Metern Länge ab. Im Bereich der seitlichen Zuwegungen wurden überfahrbare Amphibien-Stopprinnen als Wegabsperrung bündig in die Wege eingebaut und seitlich die Betonleiteinrichtung angeschlossen.

Amphibien gelangen unbeschadet auf die andere Straßenseite

Reiner Hartinger vom Straßenamt Ravensburg erläutert die Maßnahme: „Entlang der Leiteinrichtung gelangen die Amphibien zu den Durchlässen und durch diese unbeschadet auf die andere Straßenseite. Die Anlage vermeidet somit die Tötung von Lurchen und verbindet die Teillebensräume beidseits der Straße. Der Abschnitt A befindet sich auf dem Weiherdamm des Schloßweihers. Für den genetischen Austausch spielt dieser Bereich im Vergleich zur örtlichen Gesamtpopulation eine geringere Rolle. Daher wurden im Hinblick auf die Baugrundsituation hier drei kleinere Durchlässe verwendet, die mit 24 cm Abstand zur Fahrbahnoberkannte möglichst hoch eingebaut wurden. Die Durchlässe wurden als Rechteckprofil mit geschlossenem Boden eingebaut, um im Extremfall auch als Hochwasserentlastung für den Schloßweiher zu dienen, ohne dass es zu Ausspülungen im Tunnel kommt. In Abschnitt B haben wir 13 Durchlässe mit einer Länge von 8,15 (gekröpfter Durchlass) bzw. 9 m (Durchlass mit Portal) eingebaut. Die Durchlässe bestehen aus einem nach unten offenen Haubenprofil mit verbreiteter Aufstandsfläche. Fertig eingebaut haben die Durchlässe in Abschnitt B eine lichte Höhe von 75 cm und eine lichte Weite von 100 cm. Weil der Einbau in einem kurvigen Gelände mit stark wechselnden Quer- und Längsneigungen erfolgte, wurde die Amphibienanlage sehr flächensparend und straßennah eingebaut. Ziel war es, dass sie sich in das Landschaftsbild einfügt und die umliegenden Flächen, insbesondere den Wald nicht zu sehr in Anspruch nimmt“, so Hartinger.

Portalelemente mit versenktem Einstieg und Abdeckgitter

Aus diesem Grund kamen auf der Waldseite in Abschnitt B Einstiegskästen zum Einsatz. Auf der Seeseite wurde je nach Böschungssituation entweder eine gekröpfte Durchlassöffnung gewählt oder ein Portalelement mit versenktem Einstieg und Abdeckgitter eingebaut. In Bereichen mit starker Straßenlängsneigung wurde die Portalscheibe an diese angepasst. Das Betonleitelement entlang der Straße, weist eine doppelte Übersteigsperre auf. Diese verhindert, dass auch die im Gebiet vorkommenden kletterstarken Lurche den Leitstein nicht überwinden können. Nachfolgend die Vorteile des aus Hochleistungsbeton (UHPC) hergestellten Systems: Das Leitelement verfügt über eine besonders glatte Oberfläche, die das Übersteigen weder bei nasser noch bei trockenen Bedingungen ermöglicht. Eine weiche Kantenausbildung der Leitsteine gepaart mit einer breiten Laufebene und einem leichten Abwärtsgefälle gewährleisten eine zügige Wanderung zum nächsten Durchlasselement. Die Herausforderung bestand darin, sämtliche Portalelemente in gleicher Leitsteingeometrie passend zu den Leitsteinen zu fertigen. Die Durchlasselemente weisen aufgrund der Einbausituation eine geringe Überdeckung bei gleichzeitig hoher Verkehrslast auf. Im Normalfall hätte man für die Gründung Ortbetonfundamente herstellen müssen. Auf unseren Vorschlag hin, wurden die Durchlässe aus Hochleistungsbeton C60/75 mit integriertem Fundament ausgeführt. Dies vereinfachte den Einbau und verkürzte erheblich die Bauzeit. Reiner Hartinger zeigt sich zufrieden: „Die Zusammenarbeit mit dem Hause Rinninger hat unkompliziert funktioniert. Auch bei technischen Rückfragen seitens der Naturschutzbehörde unterstützte uns das Betonwerk professionell“, so Hartinger.

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